Gitte Haenning

Rezensionen zum Film

„Nicht verpassen! - Man muss kein Fan sein, um an Boettchers zweistündigem Film Gefallen zu finden. Dem Regisseur gelingt, auch dank erfrischenden Splitscreen-Einsatzes, ein dynamischer Trip durch fast ein halbes Jahrhundert deutscher Popkulturgeschichte.“

In der Damentoilette der Stadthalle, kurz nach dem Film über Gitte Haenning: Zwei Frauen wischen sich die Tränen ab. "Das war so toll. Da kamen so viele Erinnerungen hoch", sagt die eine. Plötzlich steht Gitte Haenning vorm Spiegel, auch sie muss ihr Make up richten. Denn auch ihr standen Tränen in den Augen, als sie in Lübeck zum ersten Mal den Film "Ich will alles - die Gitte Haenning Story" gesehen hatte. "Regisseur Marc Boettcher hat eine großartige Arbeit gemacht", sagt die zierliche Sängerin, die zur Filmaufführung ganz in Tarnfarben gekommen war. Wie ist das, wenn man sich als bildhübsche junge Frau auf der Leinwand sieht? "Ach, nicht leicht. Aber so ist es eben", sagt sie, zuckt die Schultern und rauscht zum nächsten Pressetermin.

 

Gitte Haenning. Man weiß zwar, dass die Dänin auch Jazz macht, aber trotzdem kleben an ihr der Cowboy, den sie gern zum Mann hätte, all die Schlager mit Rex Gildo und zum Schluss die Starke- Frauen-Songs wie "Ich will alles" und "Jetzt erst recht". In dem zweistündigen Dokumentarfilm wird deutlich, wie vielseitig Gitte Haenning in über fünf Jahrzehnten war, nachdem sie bereits mit acht Jahren von ihrem Vater zum Kinderstar gemacht wurde. Immer, wenn sie ganz oben war, erfand sie sich neu: nahm Platten mit Jazzgrößen auf, spielte in Filmen, tanzte in Musicals. Wie sie im zarten Alter von 15 Jahren "Stormy Weather" singt - das macht Gänsehaut. Regisseur Marc Boettcher ("Die Bert Kaempfert Story") gelingt ein differenzierter Blick auf das Leben der Künstlerin, indem er aktuelle Aussagen mit älteren Gitte- Interviews und Statements von Eltern, ihrer Schwester, Ex-Freunden und Kollegen mixt. Mit 80, sagte Gitte einer Freundin, will sie mit einem Glas Whisky in der Hand an der Bar sitzen und "Stormy Weather" singen. Schade, dass man darauf noch 20 Jahre warten muss."

Ein berührender Film über die über 50-jährige Karriere der wandelbaren Künstlerin. Am Ende standen Gitte Tränen in den Augen: „Großartig gelungen."

„Marc Boettcher hat ganz eindeutig ein Händchen für Film- Biographien von Stars der Musikbranche, wie er eindrucksvoll mit seinem Film "Strangers in the Night" über Bert Kaempfert belegt hat, den wir Ihnen bereits vorstellen konnten. Im vergangenen Jahr legte Boettcher mit "Ich will alles" die intime Biographie einer außergewöhnlichen Sängerin vor: Gitte Hænning. Die charaktervolle, schöne und unerhört talentierte Frau aus dem dänischen Århus hat dem sensiblen Regisseur den Blick auf die gefährliche Achterbahn einer bewegten, turbulente Karriere und ihr dramatisches Leben mit allen Höhen und Tiefen gestattet - und Marc Boettcher hat ein sympathisches ehrliches Bild von Gitte Hænning gezeichnet. In etlichen für diesen Film gemachten und aus früheren Fernsehproduktionen zusammengestellten Interviews äußern sich die heute 62 Jahre alte Künstlerin, Familienmitglieder, Freunde und Kollegen sehr offen zu beiden Seiten der schimmernden Medaille. Marc Boettcher zeigt schonungslos die trotz allen scheinbaren Glanzes im Endeffekt überwiegend dunkle, beklemmende Seite. Die Frau, deren Leben hier rücksichtsvoll aufgearbeitet wird, gewinnt allerdings dabei. Sehr schnell wird deutlich, daß sich die wirkliche Begabung der Gitte Hænning nie hat entfalten dürfen, ihre späte energische Durchsetzung blieb vertragsbedingt halbherzig: es ist und war immer der Jazz, der ihre wahre Stärke war. Vom deutschen Schlagergeschäft wegen ihrer jugendlichen Frische vereinnahmt und zu ungezählten scheußlichen Tralala-Schlagern gezwungen und unter Wert vermarktet, blieb ungefördert, was sie wirklich konnte.

Frühe und rare dänische Aufnahmen von Fernsehshows, Filmausschnitte und O-Töne ihrer frühen Jahre belegen mit u.a. "Stormy Weather", "Night and Day" und dem "Basin Street Blues" was in ihr steckte: eine Jazz-Sängerin von internationalem Format. Die mehrere Jahre währende Beziehung mit dem dänischen Weltklasse-Bassisten Niels-Henning Ørsted Pedersen nährte die Neigung zum Jazz. Auch spätere Aufnahmen mit der Kenny Clarke/Francy Boland Big Band, mit der man sie wieder in einen deutschen Vertrag lockte, belegen ihre Jazz-Begabung. Der dänischen Kinderstar-Zeit der 50er Jahre und der deutschen Schlager-Zeit mit u.a. Rex Gildo als "Traumpartner" in den 60er Jahren folgte ein Karriereknick Anfang der 70er. Mit einer Richtungsänderung zum Chanson schaffte es die energische Sängerin in den 80ern erneut, an ihre alte Popularität und frühere Erfolge anzuknüpfen. Die Zusammenarbeit mit Andrew Lloyd Webber gab neue Impulse. 

Nach gescheiterten Ehen und Partnerschaften, beruflichen Mißerfolgen, unstetem Leben mit Wohnsitzen u.a. in Kopenhagen, München Rom, Berlin belohnten spät eine Goldene Kamera und eine Goldene Schallplatte ihr eiserner Wille, nicht aufzugeben, den eigenen Weg zu finden.“

„...Auch wenn die Nordischen Filmtage eine entschieden ernsthafte Veranstaltung sind, kann nicht geleugnet werden, dass der Besuch der äußert populären Gitte Hænning ein glamouröser Höhepunkt ist und der Kinosaal ist bis zum Bersten gefüllt. Das gut gelaunte Publikum bekommt auch etwas fürs Geld, denn Marc Boettchers knapp zwei Stunden langer Film zeigt mit Hilfe zahlreicher Interviews und Ausschnitte aus alten Dokumentarfilmen ein zugleich dynamisches und facettenreiches Bild der Sängerin, die bereits 1954 ihren Durchbruch hatte und zum Kinderstar wurde. (...) Heute könnte man sich wünschen, dass Gitte im Laufe der Zeit weniger deutsche Schlager gesungen hätte und mehr Jazz, denn der Film erinnert uns daran, was für eine hervorragende Sängerin sie eigentlich ist – z.B. in einer Szene, in der sie von Andrew Lloyd Webber selbst am Klavier begleitet wird."

„»Ich will Alles« enthüllt, dass Gitte Hænning früher eine Beziehung mit dem jetzt verstorbenen Bassisten Niels-Henning Ørsted Pedersen hatte, und überhaupt verbindet dieser unterhaltsame Film, der seine Hauptperson nicht nur unkritisch lobpreist, sondern sowohl ihre positiven wie ihre negativen Seiten zeigt, das Private mit dem Professionellen. Sie selbst hat damit überhaupt kein Problem, und als sie nach der Weltpremiere in Lübeck mit lang andauernden stehenden Ovationen geehrt wurde, war sie zu Tränen gerührt."

„Das Beste an „Ich will alles" sind die Szenen aus Filmen und Fernsehshows, die Boettcher ausgegraben hat. Da singt Gitte „My World Is Music", und man sieht, was für eine großartige Jazz-Performerin aus ihr hätte werden können.“

© 2021 MB-Film Deutschland