Belina
BELINA - Nachruf (deutsch)
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- Marc Boettcher
- Saturday, 03 January 2009 17:59
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Eine der größten und interessantesten Folkloresängerinnen Europas – Belina – ist am 12. Dezember 2006 im Alter von 81 Jahren in Hamburg verstorben. Ein Filmporträt war mit Ihrer Zustimmung und Mitarbeit geplant, denn nur selten sprach sie über sich und ihre Karriere.„In der hoheitsvollen, etwas statuarischen Haltung einer Königin steht sie da, offenes, brünettes Haar rahmt ein ausdrucksvolles Gesicht von herber Schönheit. Die aparte Frau strahlt kühle Distanziertheit, ja, fast Unnahbarkeit aus: und dann ihre Stimme! Eine Stimme von tiefem, dunklem, von Melancholie umflorten Timbre, von starker, noch im Summen oder Trällern dramatischer Expression, von spröder Fülle.“ (Wiener Kurier, November 1967)
„Madame chanson“ wurde sie genannt: Belina! Wenn sie, zierlich, in schwarzer Lederjacke, mit schmalen Hosen, roter Bluse und langem Haar, die Bühne betrat, schlug sie ihr Publikum schon allein durch ihre faszinierende Ausstrahlung in Bann. Belina war darüber hinaus ein wahres Sprachwunder. Sie sprach sechs Sprachen: Französisch, Polnisch, Englisch, Jiddisch, Russisch und Deutsch. Doch sie vermochte sich in mindestens einem weiteren Dutzend fremder Sprachen zu verständigen und zu singen. Bei ihrer Welttournee mit dem Gitarristen Siegfried Behrend überreichte man ihr eines Tages in Korea mittags ein koreanisches Volkslied mit der Bitte, es abends zu singen. Belina tat es und am nächsten Tag schrieben die Kritiker, sie müsse mit dem Koreanischen geradezu „verwachsen“ sein, so überzeugend, so unmittelbar sei ihr Vortrag gewesen.
Aber vor all diesen Dingen war Belina eine großartige Sängerin, von Musik und Gesang besessen. Ihre dunkle volle Stimme war unheimlich wandlungsfähig. Der zärtlichen Innigkeit eines jüdischen Wiegenliedes wurde sie ebenso gerecht wie der verschleierten Melancholie eines französischen Chansons, der gespannten Vitalität eines Calypsos von den Westindischen Inseln nicht weniger als der ungebärdigen Leidenschaft eines polnischen Volksliedes. Immer traf sie genau die Mitte des Ausdrucks, in ihrer Interpretation enthüllten ihre Lieder ihre einmalige Schönheit, ihren einzigartigen Zauber. Das ist kein Wunder. Belina gestaltete, was sie sang, ganz aus dem Erleben, und ihr Leben führte sie durch viele Höhen und Tiefen.
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